“Krieg und Medien in Amerika”

zu diesem Thema konnte man  gestern abend Dr. Claus Kleber, Frontmann des ZDF,  im Audimax der Universität Freiburg hören -  oder auch nicht. Die Veranstaltung war leider so hoffnungslos überfüllt, dass es keine Chance gab eine halbe Stunde vor Verantsaltungsbeginn noch Einlass zu finden. Das tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch, weder im Saal, der im Rahmen des Bildungsstreiks auch in Freiburg, wie an fast allen Universitäten besetzt ist, noch davor. “Wir wolln rein” , “Die Tür bleibt auf” , “Clausi für alle” skandierten die Leute vor und hinter der Tür solidarisch und  lautstarkt. Dieses Unruhe, die den Vortrag erst verspätet starten ließ, lag sicherlich auch an der schlechten Informationspolitik, die Interssierte lange ohne konkrete Aussagen warten ließ. Mit Hinweis auf den Brandschutz, durften viele frei Plätze auf den Treppen nicht besetzt werden.  Komisch, dass in überfüllten Vorlesungen der Brandschutz anscheindend keine Rolle spielt. Zu guter letzt gelang es leider erst ungefähr 1 1/2 Stunden nach Beginn eine Tonübertragung nach draußen zu legen.

Dann endlich konnten auch die, die solange geduldig gewartet hatten, vor dem Saal zwischen Zelten und Protesplakaten dem Vortrag lauschen. Nicht der schlechteste Ort, wie sich herausstellte. Hier gab es für die besetztenden Studenten veganes Essen und Getränke und für die anderen Einblicke in den Protest und natürlich für alle den Vortrag.  Der war dann auch nicht schlecht. Wordgewandt und mediengeschult berichtet Claus Kleber von seiner Einschätzung zur Kriegsberichterstattung, von der Macht der Bilder, von Wahrheit und Propaganda. Interessant ja, aber oft blieb es an der Oberfläche. Einschätzungen wie die, dass die Bevölkerung Amerikas nach dem 11. September gar nichts anderes hören wollte als patriotische Berichte, mögen stimmen und vielleicht auch viel erklären, reichen aber nicht aus, sondern müssten darum erweitert werden wie man zukünftig mit diesem Wissen umzugehen gedenkt. Hier wäre es schön gewesen mehr darüber zu hören wie Medien zwischen Markt und Verantwortung agieren sollten.  Dennoch alles in allem, auch Dank Andekdoten von Herrn Kleber und der Atmospähre vor dem Audimax, ein gelungener Abend.

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weils so schön ist und weil ich darum gebeten wurde hier noch ein bisschen Werbung:

vom 14. bis 16. September 2009 findet das Forum Sozialethik statt. Diesmal zum Thema “Anthropologie und (christliche) Sozialethik”.

Das Forum Sozialethik ist eine Initiative junger Sozialethikerinnen und Sozialethiker. Es dient dem Austausch von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern (Promotion, Habilitation, Privatdozenten/innen) sowie fortgeschrittenen Studierenden des Faches Sozialethik im deutschsprachigen Raum. Interessierte benachbarter Disziplinen sind herzlich wilkommen.

Hier gibt es das Programm, die Anmeldung und weitere Informationen.

ein bisschen Werbung in eigener Sache

Titelblatt basicsSoziale Arbeit und Ethik

Mitarbeitende und Organisationen im Sozialwesen sind oft mit ethischen Herausforderungen konfrontiert. Viele Krankenhäuser haben mittlerweile Ethikkomitees und führen Fallbesprechungen durch. Vergleichbare Reflexionsmethoden gibt es jedoch bislang im Sozialwesen nicht.

Dieses Buch schließt die Lücke und hilft Leitkriterien im Team und in der Organisation festzulegen. Es bietet konkrete Instrumente zur ethischen Entscheidungsfindung und Klärung von Konfliktfällen im Arbeitsalltag. Zahlreiche Fallbeispiele  aus der sozialen Arbeit eröffnen dabei einen leichten Zugang zum Thema.

Ulrike Kostka, Anna Maria Riedl
Ethisch entscheiden im Team
Ein Leitfaden für soziale Einrichtungen
ISBN 978-3-7841-1885-7

Bestellmöglichkeit hier: Ethisch_entscheiden_E-Flyer_k

Neue Enzyklika Caritas in veritate

heute ist die neue Enzyklika “Caritas in veritate” von Papst Benedikt XVI. auf Deutsch erschienen. Für alle die nicht die Zeit finden alle 73 Seiten zu lesen hier für den ganz schnellen Überblick mit wordle.net in eine Tag Cloud verwandelt:

wordle caritas in veritate

eine größere Version auch zum ausdrucken gibts hier

Die Toscana Deutschlands

…ich weiß es gibt viele Orte die dies von sich behaupten, aber wenn es für einen stimmt, dann wirklich das Markgräflerland.  Natürlich ist auch an Freiburg und der Regio nicht alles so toll, wie es von Reiseführern und Einheimischen gerne behauptet wird, z.B. das Wetter, das kann ich aus eigener Erfahrung berichten, war in Franken einfach schöner und vor allem war der Himmel so viel blauer. Aber zurück zur Toscana: Wer einmal aus dem Schwarzwald herunter ins Markgräflerland gefahren ist, der weiß,  wovon ich rede. So müssen sich die ersten Germanen gefühlt haben als sie über die Alpen nach Italien kamen. Eine Ebene voller Wein, Wärme, Obst und gutem Essen und abends versinkt im Westen, in allen Rot- und Rosatönen die der Himmel kennt, die Sonne in Frankreich hinter den Vogesen.

Vor allem das gute Essen muss man erwähnen. Wenn für mich armen Menschen, der ich in Nordhessen groß werden musste, schon Franken mit seinen netten Landgasthöfen ein kulinarisches Paradies war, dann ist das Markgräflerland so etwas wie das Paradies für die oberen 10 000. Da man gar nicht alle schönen Dinge aufzählen kann die es hier zu entdecken gibt und jeder ja auch nocht etwas selbst erleben soll, hier nur ein Tip für alle die gut und regional essen möchten: Der Pfaffenkeller in Wollbach der etwas andere Bio-Hofladen & Bio-Restaurant. Ein wirklich lohnendes Ziel für einen Ausflug.

Ausblicke I.

jetzt wo ich schon bald wieder Abschied von Freiburg nehme, muss ich vorher natürlich noch ein bisschen die Stadt genießen. Das ist gar nicht so schwer, wie vor allem die schönen Ausblicke beweisen.
Blick vom Dach der Caritas auf Münsterturm und Schwarzwald

Blick vom Dach der Caritas auf Münsterturm und Schwarzwald

                                                                    
Blick aus meinem Zimmer im Winter

Blick aus meinem Zimmer im Winter

Blick aus meinem Zimmer im Winter

Blick aus meinem Zimmer im Winter

Erdbeben

heute Nacht habe ich in Freiburg mein erstes Erdbeben erlebt. Sehr komisches Gefühl, vor allem wenn man das nicht kennt und erst einmal nicht weiß was los ist. Fühlte sich ein bisschen an als wäre ein LKW in unser Haus gefahren und das ganze Haus irgendwie in Bewegung.

Das  baden-württembergische Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau  (LGRB) meldet ein Erdbeben der Stärke 4,5 und das ist für die Region gar nicht so wenig wenn man sich die Vergleiswerte der letzten Erdbeben anschaut (http://www.lgrb.uni-freiburg.de/lgrb//Fachbereiche/erdbebendienst/erdbebenmeldung).

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Seismogramm des Erdbebens vom LGRB

Größere Schäden scheint es jedoch weder in meiner Wohnung noch in der Region zu geben, trotz  des nach einem  Bericht des SWR (veröffentlicht am 05.05.2009 auf seiner Internetseite) ”vergleichsweise starken Bebens”.

“Mehr als Strukturen…” Der Beitrag der verbandlichen Caritas in den pastoralen Räumen

 

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Bischof Dr. J. Wanke

„Pastoral und Caritas – das Atmen der Kirche auf zwei Lungenflügeln“. So beschrieb Bischof Dr. Joachim Wanke das Verhältnis der beiden zueinander bei seinem Eröffnungsvortrag am 02. April auf dem Fachtag der Caritas in Frankfurt am Main.

Anlass der Tagung war ein Impulspapier indem die verbandliche Caritas formuliert welchen Beitrag sie in den in den pastoralen Räumen leisten möchte. Damit reagiert sie auf die Entwicklungen und Herausforderungen die die pastorale Umstrukturierung in vielen Diözesen Deutschlands mit sich bringt.

Dass das Thema aktuell und wichtig ist, bewiesen nicht zuletzt die mehr als zweihundert Teilnehmer/innen aus allen Bereichen der Kirche.

 

Es ging an diesem Tag vor allem um die Weiterentwicklung von Impulsen. Good-Practice-Beispiele der gelungenen Zusammenarbeit von verbandlicher Caritas und Pastoral machten Mut eigene Konzepte zu entwickeln. Daneben diskutierten die Teilnehmer/innen in Foren was die verschiednen Akteure zur Stärkung der Zusammenarbeit beitragen können.

 

Deutlich wurde aber auch, dass trotz aller Auf- und Umbrüche Caritas und Pastoral noch einen langen Weg vor sich haben. Die Situationen in den einzelnen Bistümern, Seelsorgeeinheiten, Ortspfarreien und caritativen Einrichtungen sind so unterschiedlich, dass es Patentlösungen nicht geben kann. Wie das Miteinander konkret aussehen soll, muss vor Ort ausgehandelt werden. Dafür braucht es vor allem viel Sensibilität für die Nöte und Belange des anderen, denn nicht jeder „alte Zopf“ lässt sich einfach und ohne Schmerzen abschneiden.

 

Als Fazit bleibt die Formulierung Bischof Wankes: „Wenn unsere Pfarrseelsorge in den geweiteten Räumen caritativer – und die Caritas „pastoral musikalischer“ wird, kann das beiden nur gut tun. Und noch mehr wird es den Menschen gut tun, die davon den Nutzen haben.“

 

Weitere Infos zum Fachtag, sowie die Reden und Good-Practice-Beispiele unter: www.caritas.de/pastoralraum

Nato Demonstrationen

jetzt ist der Nato-Gipfel also vorbei, die Politiker, Demonstranten und unzählige Polizisten sind wieder abgezogen. Was noch ein paar Tage bleibt sind die Bilder im Fernsehen und die Diskussionen über den Polizeieinsatz. Hier in Freiburg war man nah dran am Geschehen. Klar Kehl, Straßbourg und die berühmte Rheinbrücke sind noch einige Kilometer weit weg, aber dafür hatten wir ja im Vorfeld unsere eigene Anti-Nato-Demo. Die hat für viel Aufsehen gesorgt bevor sie überhaupt begonnen hatte, “Vier Tage vor Nato-Gipfel Chaoten-Krieg in Freiburg?” titelte die Bild Zeitung am 28.03.2009. Zum Chaoten-Krieg ist es nicht gekommen, die Demo verlief im Großen und Ganzen friedlich. Die  Polizei fand Ansprechpartner und auch in der Routenplanung waren Kompromisse möglich (vgl: Badische Zeitung vom 07. April 2009).

Warum also noch darüber schreiben? Vielleicht weil ich noch kein halbes Jahr in Freiburg wohne und noch nie in meinem Leben so viel Polizei gesehen habe. Erst die Demo gegen das Versammlungsgesetz vor einigen Wochen und jetzt die Anti-Nato-Demo und jedes Mal großer Polizeieinsatz. Ist das ein Zeichen für mehr Offenheit in Baden-Württemberg, sind die Bürger hier wacher und kritischer und demonstrieren darum auch mehr oder lebt man hier doch in einem Polizeistaat, oder vielleicht beides? Traurig wenn das eine die Folge des anderen wäre. Ich war bei keiner der beiden Demos Teilnehmer, ich möchte auch keine Steinwerfer u.ä. und dennoch wenn ich die hochaufgerüsteten Polizisten sehe, stellt sich bei mir kein Gefühl von Sicherheit ein. Vielleicht, weil sie ein Zeichen dafür sind, dass es in unserer Gesellschaft  Menschen gibt, die ihre Werte nicht bejahen, die friedliche Demos benutzen weil sie Spaß an Krawall und Zerstörung haben. Ihnen geht es nicht um Demokratie, sondern um Gewalt. Angst macht mir aber vor allem der Eindruck, dass wir keine bessere Antwort für Verteidigung von Demokratie und Freiheit haben, als im Ernstfall ebenso mit Gewalt zu reagieren.

V. Jahrestagung Illegalität

“Irreguläre Migration – zwischen Grenzüberschreitung und Ausgrenzung” unter diesem Titel fand vom 4. bis 6. März die V. Jahrestagung Illegalität in der Katholischen Akademie in Berlin statt.

Das Programm startete am Mitwochabend nach  einem Impulsvortrag von Weihbischof Dr. Josef Voß mit zwei Kurzvorträgen, die sich der Frage nach dem Verhältnis von normativen Begründungen und politischen Rationalitäten zur Rechtfertigung und Kritik der Abwehr unkontrollierter Zuwanderung stellten. Zunächst machte der Soziologe Prof. Dr. Michael Bommes (IMIS / Universität Osnabrück)  darauf aufmerksam, dass eine normative Begründung für den Ausschluss irregulärer Migranten fehlt, dass aber weder die Staaten deswegen ihre Regelungsinteressen aufgeben werden, noch dass sich die Migranten selber auf eine normative Debatte einlassen. In seiner Erwiederung benannte Dr. Bas Schotel (Universität Amsterdam) aus rechtstheoretischer Sicht ebenfalls die “gänzliche Abwesenheit einer inhaltlichen Rechtfertigung [...] gegenüber dem Einwanderer, wenn der Zielstaat ihn ausschließt”. Schotel wies nach, dass die normativen Ideen des Rechtsstaates und  des Liberalismus die Position der Migranten stärken.

Der Donnerstagvormittag stand unter dem Thema der neuesten Schätzungen und Steuerungsmaßnahmen. Zunächst widmete sich Stefan Keßler (Jesuit Refugee Service  Europe, Brüssel) den Plänen zur Regelung der Einwanderungs- und Asylpolitik auf EU-Ebene. Danach stellte Dr. Ditta Vogel (HWWI, Hamburg) das CLANDESTINO-Projekt vor, das versucht bessere Schätzdaten zu den Dimensionen der irregulären Migration zu liefern.  Die Erfolgsaussichten, sowie die Datengrundlage (auch polizeiliche Kriminalstatistik) und die Aussage, dass die Zahl irregulärer Migranten in Deutschland vermutlich geringer ist als bisher angenommen, wurden kontrovers diskutiert. Die Ergebnisse des Projekts werden in einer allgemein zugänglichen Datenbank veröffentlicht.

Der Nachmittag widmete sich dann den Strategien der Ab- und Ausgrenzung im Ländervergleich. Besonders spannend war hier eine niederländische Studie, die die Soziologin Masja van Meeteren (Universität Rotterdam) vorstellte. Sie untersuchte Einwanderer in den Niederlanden und Belgien und lebte, um bessere Einblicke zu bekommen, sogar bei ihnen. Herausgekommen ist eine Klassifizierung der Migranten in drei Gruppen:

  • Invest migrants: sie kommen aus fianziellen Gründen, für einen beschränkten Zeitraum, können die Sprache nicht, Herkunftsländer mit Investitions-Potential aber geringen Reisekosten, sie machen fast jede Arbeit
  • Settelment migrants: sie möchten sich permanent niederlassen in der Hoffnung auf ein neues besseres Leben, Legalisierung ist ihnen nicht so wichtig, sie kommen aus finanziell und politisch stabilen Ländern, integrieren sich ins soziale Leben und möchten gute regelmäßige Arbeit
  • Legalisation migrants: Sie kommen in der Hoffnung auf eine insgesamt bessere Zukunft, möchten nicht illegal leben oder arbeiten, sind oftmals gut ausgebildet und möchten dementsprechende  Arbeit, haben ein großes Interesse sich zu integrieren und Angst vor einer Abschiebung

Fazit der Studie ist es, dass die Migrantengruppen  ganz unterschiedlich von politischen Maßnahmen betroffen sind. Besonders die Möglichkeit zur Integration hängst immer auch stark von den Zielen der Migranten selbst ab.

Daneben wurden noch die Situation in Deutschland von Dr. Norbert Cyrus (Institut für Sozialforschung, Hamburg) und in Spanien von Prof. Dr. Klaus Schriewer (Universidad de Murcia) vorgestellt.

Am späten Nachmittag konnen die Teilnehmer dann in Foren die Themen “Kooperation mit den Herkunftsländern und Vorverschiebung der Außengrenzen” sowie “Studien zur Entwicklung auf lokaler Ebene” vertiefen.

Der Donnerstag bot ein Follow up zur Diskussion in Deutschland und den Entwicklungen zum Thema Schulbesuch. Auf dem Podium diskutierten Stephan Mayer (MdB, CSU-Landesgruppe), Ulrich Plöner (Deutsche Bischofskonferenz), Ministerialrat Wilfried Schmäing (Hessisches Ministerium für Inneres und Sport, Wiesbaden) und Hartfried Wolff (MdB, FDP Baden-Württemberg). Politiker von CDU/CSU und FDP sprachen sich dabei pro Schulbesuch statusloser Kinder und für eine Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland aus. Man darf also gespannt sein.

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