Archiv der Kategorie 'Tagungen'

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vom 14. bis 16. September 2009 findet das Forum Sozialethik statt. Diesmal zum Thema „Anthropologie und (christliche) Sozialethik“.

Das Forum Sozialethik ist eine Initiative junger Sozialethikerinnen und Sozialethiker. Es dient dem Austausch von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern (Promotion, Habilitation, Privatdozenten/innen) sowie fortgeschrittenen Studierenden des Faches Sozialethik im deutschsprachigen Raum. Interessierte benachbarter Disziplinen sind herzlich wilkommen.

Hier gibt es das Programm, die Anmeldung und weitere Informationen.

„Mehr als Strukturen…“ Der Beitrag der verbandlichen Caritas in den pastoralen Räumen

 

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Bischof Dr. J. Wanke

„Pastoral und Caritas – das Atmen der Kirche auf zwei Lungenflügeln“. So beschrieb Bischof Dr. Joachim Wanke das Verhältnis der beiden zueinander bei seinem Eröffnungsvortrag am 02. April auf dem Fachtag der Caritas in Frankfurt am Main.

Anlass der Tagung war ein Impulspapier indem die verbandliche Caritas formuliert welchen Beitrag sie in den in den pastoralen Räumen leisten möchte. Damit reagiert sie auf die Entwicklungen und Herausforderungen die die pastorale Umstrukturierung in vielen Diözesen Deutschlands mit sich bringt.

Dass das Thema aktuell und wichtig ist, bewiesen nicht zuletzt die mehr als zweihundert Teilnehmer/innen aus allen Bereichen der Kirche.

 

Es ging an diesem Tag vor allem um die Weiterentwicklung von Impulsen. Good-Practice-Beispiele der gelungenen Zusammenarbeit von verbandlicher Caritas und Pastoral machten Mut eigene Konzepte zu entwickeln. Daneben diskutierten die Teilnehmer/innen in Foren was die verschiednen Akteure zur Stärkung der Zusammenarbeit beitragen können.

 

Deutlich wurde aber auch, dass trotz aller Auf- und Umbrüche Caritas und Pastoral noch einen langen Weg vor sich haben. Die Situationen in den einzelnen Bistümern, Seelsorgeeinheiten, Ortspfarreien und caritativen Einrichtungen sind so unterschiedlich, dass es Patentlösungen nicht geben kann. Wie das Miteinander konkret aussehen soll, muss vor Ort ausgehandelt werden. Dafür braucht es vor allem viel Sensibilität für die Nöte und Belange des anderen, denn nicht jeder „alte Zopf“ lässt sich einfach und ohne Schmerzen abschneiden.

 

Als Fazit bleibt die Formulierung Bischof Wankes: „Wenn unsere Pfarrseelsorge in den geweiteten Räumen caritativer – und die Caritas „pastoral musikalischer“ wird, kann das beiden nur gut tun. Und noch mehr wird es den Menschen gut tun, die davon den Nutzen haben.“

 

Weitere Infos zum Fachtag, sowie die Reden und Good-Practice-Beispiele unter: www.caritas.de/pastoralraum

V. Jahrestagung Illegalität

„Irreguläre Migration – zwischen Grenzüberschreitung und Ausgrenzung“ unter diesem Titel fand vom 4. bis 6. März die V. Jahrestagung Illegalität in der Katholischen Akademie in Berlin statt.

Das Programm startete am Mitwochabend nach  einem Impulsvortrag von Weihbischof Dr. Josef Voß mit zwei Kurzvorträgen, die sich der Frage nach dem Verhältnis von normativen Begründungen und politischen Rationalitäten zur Rechtfertigung und Kritik der Abwehr unkontrollierter Zuwanderung stellten. Zunächst machte der Soziologe Prof. Dr. Michael Bommes (IMIS / Universität Osnabrück)  darauf aufmerksam, dass eine normative Begründung für den Ausschluss irregulärer Migranten fehlt, dass aber weder die Staaten deswegen ihre Regelungsinteressen aufgeben werden, noch dass sich die Migranten selber auf eine normative Debatte einlassen. In seiner Erwiederung benannte Dr. Bas Schotel (Universität Amsterdam) aus rechtstheoretischer Sicht ebenfalls die „gänzliche Abwesenheit einer inhaltlichen Rechtfertigung [...] gegenüber dem Einwanderer, wenn der Zielstaat ihn ausschließt“. Schotel wies nach, dass die normativen Ideen des Rechtsstaates und  des Liberalismus die Position der Migranten stärken.

Der Donnerstagvormittag stand unter dem Thema der neuesten Schätzungen und Steuerungsmaßnahmen. Zunächst widmete sich Stefan Keßler (Jesuit Refugee Service  Europe, Brüssel) den Plänen zur Regelung der Einwanderungs- und Asylpolitik auf EU-Ebene. Danach stellte Dr. Ditta Vogel (HWWI, Hamburg) das CLANDESTINO-Projekt vor, das versucht bessere Schätzdaten zu den Dimensionen der irregulären Migration zu liefern.  Die Erfolgsaussichten, sowie die Datengrundlage (auch polizeiliche Kriminalstatistik) und die Aussage, dass die Zahl irregulärer Migranten in Deutschland vermutlich geringer ist als bisher angenommen, wurden kontrovers diskutiert. Die Ergebnisse des Projekts werden in einer allgemein zugänglichen Datenbank veröffentlicht.

Der Nachmittag widmete sich dann den Strategien der Ab- und Ausgrenzung im Ländervergleich. Besonders spannend war hier eine niederländische Studie, die die Soziologin Masja van Meeteren (Universität Rotterdam) vorstellte. Sie untersuchte Einwanderer in den Niederlanden und Belgien und lebte, um bessere Einblicke zu bekommen, sogar bei ihnen. Herausgekommen ist eine Klassifizierung der Migranten in drei Gruppen:

  • Invest migrants: sie kommen aus fianziellen Gründen, für einen beschränkten Zeitraum, können die Sprache nicht, Herkunftsländer mit Investitions-Potential aber geringen Reisekosten, sie machen fast jede Arbeit
  • Settelment migrants: sie möchten sich permanent niederlassen in der Hoffnung auf ein neues besseres Leben, Legalisierung ist ihnen nicht so wichtig, sie kommen aus finanziell und politisch stabilen Ländern, integrieren sich ins soziale Leben und möchten gute regelmäßige Arbeit
  • Legalisation migrants: Sie kommen in der Hoffnung auf eine insgesamt bessere Zukunft, möchten nicht illegal leben oder arbeiten, sind oftmals gut ausgebildet und möchten dementsprechende  Arbeit, haben ein großes Interesse sich zu integrieren und Angst vor einer Abschiebung

Fazit der Studie ist es, dass die Migrantengruppen  ganz unterschiedlich von politischen Maßnahmen betroffen sind. Besonders die Möglichkeit zur Integration hängst immer auch stark von den Zielen der Migranten selbst ab.

Daneben wurden noch die Situation in Deutschland von Dr. Norbert Cyrus (Institut für Sozialforschung, Hamburg) und in Spanien von Prof. Dr. Klaus Schriewer (Universidad de Murcia) vorgestellt.

Am späten Nachmittag konnen die Teilnehmer dann in Foren die Themen „Kooperation mit den Herkunftsländern und Vorverschiebung der Außengrenzen“ sowie „Studien zur Entwicklung auf lokaler Ebene“ vertiefen.

Der Donnerstag bot ein Follow up zur Diskussion in Deutschland und den Entwicklungen zum Thema Schulbesuch. Auf dem Podium diskutierten Stephan Mayer (MdB, CSU-Landesgruppe), Ulrich Plöner (Deutsche Bischofskonferenz), Ministerialrat Wilfried Schmäing (Hessisches Ministerium für Inneres und Sport, Wiesbaden) und Hartfried Wolff (MdB, FDP Baden-Württemberg). Politiker von CDU/CSU und FDP sprachen sich dabei pro Schulbesuch statusloser Kinder und für eine Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland aus. Man darf also gespannt sein.

Dienst – nicht Geschäft! Christliche Fundamentalia einer sozialen Arbeit im Kontext zunehmender Kapitalisierung

Unter diesem Titel fand vom 08.02 bis 10.02 das 7. Werkstattgespräch der Theolog(inn)en in der sozialen Arbeit statt. Eingeladen hatte Das Institut für Praktische Theologie der PTH Benediktbeuren und der Arbeitskreis „Theolog(inn)en in caritativen Einrichtungen und Verbänden“ in Bayern.

 

Das Programm startete am Montagabend mit einem Filmimpuls „Das Beste kommt zum Schluss“. Der Dienstagmorgen begann dann mit dem Vortrag des Soziologen Prof. Dr. Clemens Albrecht (Koblenz) zum Thema „Caritas als Verteilungseffizienz? Zur Ökonomisierung des Sozialen“. Albrecht wies auf die wichtige soziologische Differenzierung von Institution und Organisation hin. Institutionen unterscheiden sich von Organisationen vor allem durch die Vorgabe einer Leitidee, die einem wertrationalem Handeln dient. Als entscheidendes Proprium der Caritas zeigte Albrecht die „Zuwendung“ auf und erklärte sie damit im soziologischen Sinne zu einer Institution jedoch mit großen organisationalen Anteilen. Mit der Expansion des ökonomischen Subsystems auch im Bereich der Wohlfahrt verschärft sich dieses Dilemma. Caritas, so Albrecht, „erzeugt über den Markt den Anschein von Verteilungsgerechtigkeit, wo das Ungenügen unsere menschliche Lage ausmacht“. Sein Lösungsvorschlag wäre entweder, die anarchische Unterwanderung, oder die die Herausarbeitung der systemeigenen Optimierungsrationalität. Die sieht er nicht in der Professionalisierung, denn Professionalität gibt es genauso außerhalb der Caritas sondern in der Rückbesinnung auf die Leitidee „Zuwendung“ auch wenn das eine Begrenzung der Zuwendungsfälle bedeuten würde.

Im zweiten Vortrag des Tages widmete sich der Theologe Prof. Dr. Ottmar Fuchs (Tübingen) dem Thema „Treuer Gott – Teure Caritas. Theologische Fundamentalia helfenden Dienstes.“ Auch Fuchs wandte sich dem Begriff der „Zuwendung“ zu und zeigte anhand der Rechtfertigungslehre die unbedingte Liebe Gottes zu allen Menschen auf. Als besonderes Vorbild solch einer gelebten Zuwendung wies er auf Elisabeth von Thüringen hin. Ihr sei es gelungen diese Liebe an die Menschen weiterzugeben und das nicht als Pflicht sondern als Bedürfnis aus sich selbst heraus so Fuchs.

 

Der Nachmittag stand unter dem Motto „Fundamentalia christlichen Helfens im Widerstreit mit ökonomischen Zwängen“ in vier Workshops nahmen die Teilnehmer die Bereiche: Beratungsdienste, Kinder- und Jugendhilfe, Behindertenhilfe und Pflege genauer in den Blick. Die Ergebnisse der Arbeitskreise wurden anschließend mit Vertretern der Entgelt-Seite (Kassen, Bezirk, Sozialpolitik) diskutiert.

 

Der Dienstag widmete sich der Vorarbeit für eine Benediktbeurer Erklärung. Noch einmal wurden die vier Arbeitsfeldern der Caritas um die es schon am Vortag ging in den Blick genommen. Ebenfalls in Kleingruppen wurden die Probleme und Herausforderungen vertieft diskutiert. Die Teilnehmer erarbeiteten Thesen die sie dem AK Theolog(inn)en  für die Erarbeitung der Erklärung mit auf den Weg gaben.